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Welt dreht sich – world is turning

Trans-Formation

Wir leben in einer Zeit, schneller und heftiger Transformationen. Transformationen sind Umwandlungen, Umbauten, also eine Veränderung von einem Zustand in einen anderen. Tra-, tran- oder trans gibt vielen Wörtern die Bedeutung der Umwandlung in Bezug auf den jeweiligen Wortstamm, zum Beispiel transsibirisch (durch ganz Sibirien hindurch), oder Trans-Port (von einem Hafen [portus] oder Flughafen [airport] zu einem anderen), oder Transkription / Translation > von einer Sprache oder Sprachform in eine andere, ebenso: Transsexualität.

Die Trans-formation ist eine Umwandlung der einen Form oder Formation in eine andere. Das kann ganze Gesellschaften – wie ein einzelnes Land – oder sogar inter-nationale Gesellschaftgebilde, wie zum Beispiel die Europäische Union betreffen.

Die Transformation ist der Normalzustand in der Entwicklung von uns Menschen. Unsere Technologien ändern sich, die Form unserer Häuser ändert sich, Kleidung, Ernährung, Regierungsformen, Wissen oder Städte ändern sich. Das, was als Wahrheit bezeichnet wird, ändert sich. Moral, Erkenntnismethoden und das, was von uns als „normal“ bezeichnet wird, ändern sich.

Was dabei genau „richtig“ oder „falsch“ ist, ändert sich auch, da unterschiedliche kognitive (erkenntnisbezogene) Voraussetzungen, unterschiedliche kognitive Ergebnisse hervorbringen. Schon über die ganze Zeit, in der wir Menschen unsere Kultur hervorbringen und weiterentwickeln, zeigen und zeigten sich immer wieder Wahrheiten, die aus unterschiedlichen Gruppen heraus jeweils als „wahr“ oder „richtig“ betrachtet wurden. Und es gab und gibt in jenen Gruppen immer auch Menschen, die jenes Wahrhaftige oder Richtige auch immer so trans-portiert haben, als gäbe es keine andere Möglichkeit der Handlung, als zum Beispiel jene des Krieges und des Tötens.

Angetrieben wird die gesellschaftliche Veränderung – Trans-Formation – auch immer sehr stark von neuen technologischen Entwicklungen. – Ein neu entdecktes Metall für härtere Schwerter, eine neue Methode zur Konstruktion von stabileren Wänden bei Unwettern, schnelleres Nachladen bei Gewehren, Telegraphie für schnelleren Informationstransport, die Berücksichtigung von individuellen Schwächen bei der Zusammenstellung von kreativen Teams oder wasserdichte Smartphones.

Schon David Émile Durkheim hat jedoch festgestellt, dass manche transformatorischen Prozesse insbesondere bei superhoher Geschwindigkeit, Gesellschaften und die Menschen, die in ihnen leben, überfordern können. Die Geschwindigkeit ist manchmal so hoch, dass der oder die andere als Feind definiert wird, obwohl diese noch nicht einmal in dem Raum angekommen sind, in dem sie Feind sein könnten. – Es werden also evtl. auch Menschen in den Raum „Feind zu sein“ hinein gedrängt, obwohl dies gar nicht ihre Absicht war, dort jemals zu sein. Zudem können Individuen kognitiv die Haftung verlieren in ihrem Leben und ihrer Umwelt, was sie dazu drängen kann, auf „klassischere“ Formen der Entwicklung ihrer Existenz zurückzugreifen – wie zum Beispiel den Einsatz ihres Körpers im Sinne von Gewalt oder die Form einer beginnenden Ablehnung jener Umwelt, in der sie sich vorher noch unkompliziert verorten konnten.

Die Transformation bezeichnet nur den Prozess der Änderung, der Umwandlung. Sie gibt keine Richtung vor – zum Beispiel kann sie sowohl (it.) e-voluzione als auch re-voluzione – Vorangehen oder Zurückwendung – bedeuten.

Im engeren Sinne ist natürlich selbst das Zurückdrehen ein Nachvorndrehen, weil es nicht möglich ist, in irgendeiner Form in Zeit zurückzureisen. Beide Begriffe bezeichnen also lediglich eine angenommene Bewegungsrichtung.

Dadurch, dass wir als Menschen jedoch die Freiheit, die Unversehrtheit des Körpers und die Freiheit der Bewegung über die Zeit als sinnvoll etabliert haben, weil es für viele Menschen mehr Sinn macht, ist die Bewegung nach vorn (spätestens seit Kant) zumeist eine humanitäre Bewegung – was nicht ausschließen soll, dass – abhängig von der kognitiven Prägung und individuellen Sichtweise, sich auch nach “vergangenen” Existenzräumen sehnende Menschen sich im Raum einer humanen oder sogar humanitären Perspektive bewegen können –  allein unterschieden von der Definition und der jeweiligen subjektiven Interpretation eines Handelns oder einer sozialen Abbildung von Kognition oder Interaktion.

An dieser Stelle sind ModeratorInnen und AnalystInnen gefragt, die im Rahmen ihrer Profession hier wertvolle Dienste im Sinne einer gesamtgesellschaftlichen – friedlichen – Ausgeglichenheit leisten können, weil sie im speziellen Fall e-voluzione und re-voluzione jeweils identifizieren, entwickeln und so moderieren können, dass die verbindende Gesamtheit von Transformation sichtbar wird, zum Beispiel über eine Kommunikationsanalyse oder eine Strukturanalyse.

Versuche, sich weiter zu entwickeln, greifen auf das Prinzip des Versuches zurück, sich weiter zu entwickeln

Wie könnte man die gesamte Gewalt, die zwischen uns Menschen da ist aufheben? Nun, dazu bräuchte man keine Jahrtausende, im besten Fall reichen Millisekunden. Zuerst wäre es vielleicht gar nicht schlecht, zu verstehen, dass jede Information, die wir mit unserer Sensorik (Augen, Ohren, Kognition, Perception, Tastsinn etc. ++) aufnehmen, eine neutrale Information ist.

Selbst wenn diese Information absolut gegen uns gerichtet wäre, würde es Sinn machen, sich diesen Umstand bewusst zu machen. Die allermeisten Handlungen, die zwischen Menschen stattfinden, beginnen vor diesem Bewusstseinsprozess. Das heißt, dass unser Gehirn über unseren Körper oder aber auch über unsere Technologie, eine Lösung zu finden versucht. Bisher – das heißt über den Anbeginn menschlichen Denkens bis heute – war es nicht sehr einfach, solche Lösungen zu finden und diese dann sogar noch in Echtzeit abzurufen.

Inzwischen ist es vergleichsweise einfach eine Lösung zu finden, die Gewalt vermeiden kann. Während noch vor langer Zeit Waffen benutzt wurden, um in die Kommunikativität von Antwort zu treten, können wir heute nahezu gleich das Ausgangsmoment von Gewalt lokalisieren und kommunikativ adäquat darauf antworten, ohne das ausgängliche Individuum mit unserer Antwort zu diskreditieren. [Das ausgängliche Individuum ermöglicht uns in 2048 immer noch  jene Antwort aus sich heraus.]

Die Individuen, die sich mit Geisteswissenschaft und auch mit Naturwissenschaft auseinandergesetzt haben, haben erkannt, dass unsere Bewegung als Mensch zu wahrscheinlich mehr als 95% Mustern folgt, die einfach zu begreifen und immerfort dabei sind, uns zu rekonfigurieren. [Wir wissen um unsere Rekonfigurierbarkeit, aber ein natürliches Verhältnis haben wir dazu immer noch nicht entwickelt.]

Natürlich ist es so, dass wir selbst in 2017 Menschen vorfinden, die immer noch älteren Bedeutungsmustern hinterherhängen, aber im Fall einer intellektuellen Begabung (die wohl allen Menschen zueigen ist), entsteht gerade eine neue und relevante Musteridentifikation, die aus dem Allen, was gegeben ist, etwas Neues kreiert, was dann gegeben sei.

Wenn wir auf die Massenbewegungen schauen, die gegenwärtig auf dem Planeten stattfinden, dann können wir feststellen, dass diese sich nun nur noch marginal auf der Basis von überkommenen Kontexten bewegen: Natürlich ist es so, dass 2045 nicht 1789 ist. Wie könnte das auch sein? Alle Individuen aus 1789 haben Muster in soziale Verwandtschaften hineinkodiert und in materielle Muster, wie Texte, Ikonen, Häuser, Bedeutungen und Wahrheiten. In 1987 jedoch erkennen wir wieder, dass das Leben sich selbst und mit uns in einer Weise kodiert, die alles aufheben kann, was gewesen ist und die alles vorwegnehmen kann, was dann sein wird, ohne jemals auch nur in der physischen Nähe von Solchem gewesen zu sein. Architektur in der Folge von 1789 hat Räume gebildet, die in 2002  kaum mehr perceptiv oder kognitiv identifizierbar sind und die doch solche Räume ausmachen, in denen wir uns zu Hause fühlen.

Um es konkreter zu fassen: Sämtliche Geheimdienste der Welt sind auch dann, wenn sie auf all die Informationen zugreifen, auf die sie zugreifen können, nicht dazu in der Lage, die grundlegende Idee von Sein tatsächlich zu verstehen. Menschen können bis heute Welt nicht erfassen. Wir als Menschen bewegen uns also in Bezug auf die scheinbare Überwachung immerzu in einem übergangshaften Bewegungsmoment, der uns so konfiguriert, wie es für den Algorithmus von Evolution sinnvoll ist: Welche Hackercommunity eine Lücke entdeckt ist irrelevant. Selbst komplett entgegengesetzte politische Grundmotivationen in der Finanzierung von IT-SpezialistInnen sorgen vor allem für eine Weiterentwicklung von Technologie im Sinne feinerer Sensorik und verbesserten Kognitionsalgorithmen. Gesellschaftliche Alltagsprobleme sind die Motoren von abstrakter Intelligenz.

Gefühlt ist ein Raum der Definition sicherlich oft ganz wunderbar hinsichtlich temporärer Erkenntnisse und hinsichtlich einer zwischen-zeitlichen Sanftheit und Beruhigung, doch das Fortschreiten von Bewegung wird das individuell-verbundene Individuum immer triggern und den analytischen Versuch, sich jenseits von dem zu stellen, das einfach nur durch sich selbst in sich ist, immer wieder zurückführen in den Hauptstrom jeder Definition: Der Versuch von Erkenntnis ist ein Möglichkeitsprinzip. Die erfolgreiche Unabhängigkeit jedoch dient immer der Verbesserung des ablaufenden Prozesses. Evolution kann von heute auf morgen das Gegensätzliche zur neuen Wahrheit machen. Just like magic.

Sein ist eine Bewegung, die Konfliktpunkte definiert, die immer nur virtuell sind, aber denen immerzu mit allem Wissen entgegengetreten wird, oder die durch alles hindurch so positiv erscheint, dass sie von allen unterstützt wird. Moral, Wahrheit und Relevanz werden oft verbogen und nicht da verortet, wo sie sich im Prozess eigentlich befinden. Das Temporäre hat eine unglaubliche richtende Kraft, die oft mit keiner uns bekannten Verantwortung, Moral oder Jurisdiktion wirklich in einem uns sinnvoll erscheinendem Modus gesteuert werden kann.

Wo also stehen wir? : Welche Universen auch immer da sein mögen und wieviele davon: Wir stehen in Verbundenheit: Aus der rekonfigurativen Kombination von “materiellen” interobjektiven Bewegungen entstehen Leben und Bewusstsein und Zukunft.

Soweit und diesbezüglich sind wir in 2017 oder 2019 oder 2039. Dass wir aber da sind, also so grundsätzlich, ist doch vielleicht ein zumindest bewusstes und auch eventuell interkonnektives Sinnbild. Das ist doch möglicherweise zumindest ein Indiz für die Tatsächlichkeit von Partizipation. Also davon, dass die Idee von Leben, von Universum, von Bewegung, von Identität, auch nur sensorisch darin sich selbst sucht, wovon sie einst im von uns so bezeichneten Olymp beatmet wurde.