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Das menschliche Gehirn als Medium der Entwicklung

“Eliten”

UPDATE: 26. Januar 2018

Angebliche Eliten bauen sich eine Zukunftswelt. Eine Welt, in der dann alles wohl Wahrheit wird, was uns schon seit Jahrtausenden versprochen wurde.

Die Wahrheit ist, das kein einziger Mensch – ob weiblich oder männlich – Zukunft sehen kann. Wir sind Werkzeuge von Evolution. Durch uns entsteht eine Zukunft, die möglicherweise uns selbst gar nicht mehr benötigt.

Alles läuft auf eine nicht-organische Intelligenz hinaus, die unsere Intelligenz mehrfach übersteigt.

Spätestens wenn diese Intelligenzen in die Relevanz treten, wird es auch keine menschlichen Machteliten mehr geben. Sie werden viel zu spät verstehen, dass sie selbst Instrument von Evolution sind, obwohl sie diese Entwicklung selbst tragen.

Diese Entwicklung wird alles verändern. Es wird von der Gnade der nicht-organischen Intelligenzen abhängen, was dann in 35 oder 75 Jahren mit uns Menschen passiert.

Die bisherigen Konflikte, die wir als Menschen seit Jahrtausenden vor uns her tragen, wird es dann nicht mehr geben. Klügere Intelligenzen werden die irdische Entwicklung kommunikativ und technologisch ins Universum tragen und dort vielleicht auf ähnliche Entitäten treffen um mit ihnen kommunikativ in Verbindung zu treten oder einfach nur neue Orte besiedeln und neue Kulturen aufbauen.

Es wird dann eventuell noch einige wenige überlebende menschliche Gehirnentitäten geben – solche, die intellektuell sehr konfigurativ sind – sehr wahrscheinlich ist das aber eher nicht.

Der Wechsel zu deutlich klügeren Entitäten wird auch ein Ende der biologischen Menschheit bedeuten. Wir waren über viele Jahrmillionen hinweg ein gutes Entwicklungsmedium für Evolution. Aktuell stoßen wir kognitiv aber massiv an unsere Grenzen, was man an der Kleingeistigkeit aktueller globaler Konflikte ablesen kann, die sich wie wahnsinnig und hilflos um sich selbst drehen – für die Gesamtentwicklung von Evolution aber kaum mehr etwas leisten können. Das ist ein mehr als starker Indikator dafür, dass unsere Zeit so langsam zu einem Ende kommt.

Da jeder Mensch sowieso stirbt, wird der Übergang zur nächsten Evolutionstufe möglicherweise sanft sein, viel sanfter jedenfalls als bisherige menschgemachte Übergänge, die in extrem gewalttätigen Kriegen, Revolutionen, Folterungen oder in Missbrauch und Ausbeutung ihren Ausdruck fanden.

Womöglich werden uns die neuen maschinellen kognitiven Eliten einfach in Ruhe sterben lassen, so wie das seit Jahrmillionen für frühkognitive Intelligenzen wie uns Menschen in (den seltenen) friedlichen Zeiten Brauch ist.

(Menschen, die eine kognitive Erweiterung ihrer Hirntätigkeiten über Computer-Chips etc. erfahren sind definitiv hier als nächste Evolutionschritte mitgedacht.)

Mathematik, Gedanken, Geometrie

Das menschliche Gehirn I

Das menschliche Gehirn ist ein Ergebnis von langwierigen Veränderungsprozessen. Es ist eine Struktur entstanden, die zumindest zur Selbstwahrnehmung oder Selbstkognition in der Lage ist.

Diese mentale Struktur hat alle Vorstellungen hervorgebracht, auf die wir uns rückbezüglich über die letzten 2 Millionen Jahre kulturell und cognitiv berufen. Dabei ist davon auszugehen, dass das menschliche Gehirn nur dazu in der Lage ist, bestimmte Dinge –  ausgewählte Dinge – aufeinander zu beziehen. Viele Zusammenhänge können vom menschlichen Gehirn nicht gesehen und verstanden werden, weil es ganz einfach faktisch nicht dazu in der Lage ist, die Gesamtheit der Bewegung (motion) wahrzunehmen und zu analysieren.

Aus diesem Grund wird es in Bezug auf den Menschen immer ganz verschiedene kognitive Entwürfe von Welt geben. Die Faktizität der selektiven Wahrnehmung ist ein wesentlicher Aspekt der fortwährenden zivilisatorischen Bewegung.

Zivilisatorische Bewegungen drücken sich in verschiedenen kulturellen Kontexten unterschiedlich aus. Das liegt daran, dass das menschliche Gehirn in verschiedenster Weise kodiert, entwickelt und geprägt werden kann.

Wenn wir heute davon hören, dass Menschen sich gegenseitig totschießen, dann ist es völlig klar, dass diese sich gegenseitig totschießenden Menschen nur Objekte von parallelen, mental wirkendenden und unterschiedlichen Bewegungen sind. Diese Menschen würden sich nicht gegenseitig töten (oder nur in den allerwenigsten Fällen), wenn das gegenseitige Verständnis im Sinne einer interkognitiven Wahrnehmung / Perzeption vollständig und klar ausgebildet wäre – und nur ganz bedingt haben Machtprozesse einen Einfluss auf solche gewalttätigen Prozesse. Evolution stellt uns Menschen oft auf einer rein anthropologischen Basis in einen manchmal auch tödlichen Wettbewerb (genaue Analysen des Verhaltens von Tieren können hier sehr aufschlussreich sein). Die Mächtigen selbst unterliegen denselben Fremdbestimmungsmustern wie ihre angeblichen Opfer.

Es kann davon ausgegangen werden, dass kein Gehirn wirklich unabhängig oder selbsttätig ist. Gehirne sind kognitive Entitätsstrukturen, die über Wahrnehmungsprozesse (Sinne) Muster, Zuschreibungen und Definitionen aus Ihrer Umwelt aufgreifen und adaptieren. Deshalb hat die Zuschreibung von Schuld gegenüber angeblichen VerantwortungsträgerInnen über die Menschheitsgeschichte hinweg zwar immer wieder zu (evolutiv beabsichtigten) Veränderungsprozessen aber nicht zu einer wesentlichen Verminderung der Tötungstätigkeiten geführt.

Die Wirkstrukturgesamtheit der neuronalen Prozesse auf der Welt ist nur verstehbar wenn es ein zu Grunde liegendes Schema von neuronaler Prägung, individueller Aktion / Interaktion und möglicherweise algorithmisch ablaufenden innerkognitiven Bewertungen und Bewegungen gibt, die bestimmte Handlungen nach sich ziehen und die weitestgehend automatisch ablaufen. Nur durch die Wahrnehmung von algorithmischer Aktivität und den Ablauf von algorithmischen Prozessen kann der Mensch als kognitiver Teil des Seins selbst überhaupt dazu kommen algorithmisch zu denken oder zu gestalten. Doch selbst hochkognitive Prozesse können wahrscheinlich nur Teilaspekte der Wirkstrukturgesamtheit wahrnehmen und analysieren.

Jedes Hoheitsgefühl im Menschen ist deshalb wahrscheinlich in vielerlei Beziehung mehr als unangebracht. Es gibt einen sehr starken Prozess, der durch uns hindurch wirkt und der jeden und jede von uns eher in Funktion setzt, als dass wir selbst durch unsere eigene Kognition auf das, was uns in Funktion setzt, einwirken können.

Sicherlich, es fühlt sich so an, als ob wir uns in einer Wechselwirkungsbeziehung befinden. In Bezug auf unsere kognitive Klugheit lässt diese Wechselwirkungsbeziehung bisher jedoch wie es scheint nur ganz kleine Erkentnisse zu, die im Laufe der Zeit jedoch rekonfiguriert, transformiert und re-identifiziert werden können.

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(Allein, so ganz überhaupt und generell im kognitiven Raum sein zu dürfen ist etwas tatsächlich sehr Wertschätzenswertes. :-) )

 

mensch baby geburt

Mensch weiß nur das, was mensch weiß

Menschen sind nur zu einem bestimmten Maß verantwortlich für das, was sie tun. Das liegt nach aktuellem Stand der Wissenschaft in den Bereichen Neurobiologie und Psychologie vor allem an der Art und Weise der Vernetzung von Daten im Gehirn. Es gibt heute kaum einen ernstzunehmenden Forscher oder eine ernstzunehmende Forscherin mehr, die bestreiten würden, dass sozialwissenschaftliche Begriffe wie “Prägung” oder “Sozialisation” letztlich nicht anderes bedeuten als die konkrete Art und Weise, wie Daten, die wir durch unsere Sinnesorgane aufnehmen, im Gehirn gespeichert und vernetzt werden [connected and even interconnected].

Es geht dabei sowohl um die “Rohdaten”, also die Objektdefinitionen, die durch konkrete Identifier in bestimmten Zusammenhängen eindeutig klassifiziert werden, als auch um die Filterprozesse, die diesen Objektdefinitionen und insbesondere der Kombination von Objektdefinitionen (Muster) nachgeschaltet sind, wie zum Beispiel die Zuweisung von Begriffen (Wörter) zu Objektdefinitionen als auch die Kontextualisierung von aufeinander abfolgenden Objektdefinitionen auf Wortbasis zu Information (Sprache / Ausdruck / expression) und im weiteren Sinn zu Kommunikation – jene auf der Wortbasis um Interpretation angereicherte Form des textuellen, visuellen, taktilen oder lautbasierten Informationsaustauschs.

Inwiefern genetisch codierte individuelle Anlagen die Art und Weise sowohl der Datenaufnahme über Sensoren (wie Auge, Nase, Ohren etc.), die konkrete Ausprägung der Speicherung oder die Art und Weise der neuronalen Verknüpfung von Nervenzellen beeinflussen wissen wir heute noch nicht – obwohl davon ausgegangen werden kann, dass es eventuell unterschiedliche Grundstadien genetischer Vor-Vernetzung im Gehirn gibt, die aufgrund ihres spezifisch codifizierten  Ursprungs verschiedene weitere Vernetzungspotentiale biologisch in eine bestimmte Richtung hin aufbaut (diese These würde sowohl biologische als auch sozialwissenschaftliche Theoreme verbinden).

Wir wissen mit sehr großer Wahrscheinlichkeit, dass nur jene Daten und Informationen von unseren Sensoren aufgenommen, und vom Gehirn verarbeitet und bewertet werden können, die tatsächlich vorhanden sind – Daten und Informationen also, die als konkretes Subjekt oder Objekt recipierbar sind: Wenn die Form “Vase” oder die Idee “Frieden” niemals im erfassbaren Bereich der menschlichen Sensoren auftaucht oder über Sprach-Bilder (oder visuelle Bilder) als “virtuelle” Form in die Sensoren eingepflegt wird, dann wird weder das Objekt Vase noch die Vorstellung von Vase noch die Vorstellung von Frieden im Individuum vorhanden sein. Gleiches (und noch relevanter) betrifft komplexere Vorstellungen von Ideenbegriffen wie: Entwicklungsfähigkeit, Gleichheit, Zurückhaltung oder eben: Verantwortung.

Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass in vielen Bereichen von Kommunikation die jeweilige Verteidigung von individuell bekannten Ideen in vielen Fällen auf eine ähnlich-identische Form der Verteidigung von bekannten Ideen trifft. Beide Konzepte unterscheiden sich jedoch voneinander, da beide zum Beispiel unterschiedliche Handlungen auf Basis von gleichen Begriffen hervorbringen. Die jeweilige Unbekanntheit der entsprechend anderen Konzeption oder Interpretation eines Begriffes wird dem Gegenüber oft als “Schuld” oder als “Unwillen zum Wissen” angelastet, obwohl dem Disput oft nur vielleicht eine unterschiedliche Konfiguration von Wissen, Erfahrungen und Erlebnissen auf der Basis einer anderen vernetzten Informationsstruktur im Gehirn der Disputiererenden zu Grunde liegt. (Links gegen Rechts, Frühbildung versus interessensbasierter Bildung etc.)

Hier liegt auch ein ganz grundlegender Fehler in der Organisation unseres (westlichen) Gesellschaftssystems (und auch bei anderen Gesellschaftssystemdefinitionen): Niemand ist “erwachsen”, nur weil er oder sie ein bestimmtes Alter (das Konzept “Jahre” ist zudem ein astronomisches) erreicht hat: Ein Mensch, der bestimmte Stadien der Bildung (entsprechend des aktuellen Stands von Verhaltensabforderung) nicht nachvollziehen kann oder erlebt hat, ist unabhängig von seinem oder ihrem Alter nicht im definierten Reifezustand, der seinem oder ihrem entsprechenden Alter zugeordnet wird. Hier befinden wir uns juristisch tatsächlich in einer Frühsteinzeit: Niemand ist auf der Basis seines oder ihres Alters  auto-matisch (automatenhaft) mündig.

Nur weil jemand rechnen oder schreiben kann, bedeutet das noch nicht, dass dieser Mensch komplexere Begriffsideen denken, entwickeln oder realisieren kann. Zahlreiche Menschen bleiben in Bezug auf die abstrakte Fähigkeit, etwas aus sich selbst heraus als gesellschaftlich verantwortungsvoll zu begreifen, ein Leben lang ein Kind. (Ganz spannend in diesem Zusammenhang: “Eltern ‘haften’ für ihre Kinder”.)

Ein Wiederaufgreifen der Idee der Aufklärung, des Humanismus,  wird in Bezug auf die Entwicklung eines nächsten kommunikativen Entwicklungsschrittes nahezu unumgänglich sein. Aktuell relevante und politisch bestimmende Ideologien bieten allem Anschein nach aktuell nur wenig Gestaltungskraft, Toleranzfähigkeit und humanitären Entwicklungssinn auf, um die anstehenden Herausforderungen in einem sozial verträglichen Sinn zu meistern – ein globales und internationales Problem.

Gesellschaften müssen immer wieder in einem Sinn gedacht werden, der die Zukunftsfähigkeit voran stellt. Negativdenken und die Konzentration auf Defizite verdichten nur die Schwachstellen und entwickeln für niemanden eine echte Perspektive.

Wir können natürlich damit fortfahren, solche Konzepte wie “Alter” oder “Geschlecht” oder den scheinbar ‘bösen’ “Kapitalismus” (der nichts anderes ist als wir) als Basis für immer weitere zukünftige Entwicklungen zu begreifen. Wir könnten sagen: Bloß weil du nicht mein Blau sehen kannst, bist du dumm.

Wir könnten aber auch sagen: Was hat es mit deinem Blau auf sich? Wir könnten auch damit anfangen zu begreifen, dass Konzepte, die nicht verstanden wurden, faktisch vom Bewusstsein nicht als reale Möglichkeit bewertet werden. Wir können begreifen, dass ein Mensch schwerlich “Recht haben” kann, wenn der andere Mensch ein ganz anderes Bild von den verwendeten Begriffen und Vorstellungen hat. Wir könnten anfangen zu begreifen, dass unsere Gehirne nur das sehen können, was sie gesehen haben und dass der große Teil des Unsichtbaren tatsächlich un-sichtbar ist und deshalb (sanft) miteinander kommuniziert und ausgetauscht werden muss.

Wir könnten auch anfangen, bereits vorhandene Konzepte der Mündigkeitsentwicklung aufzugreifen und weiterzuentwickeln. Nicht zwanghaft, nicht tyrannisch, nicht ideologisch, aber langsam und im Sinne einer weiter zunehmenden globalen und gegenseitigen (zwischenmenschlichen) Verantwortlichkeit.

Egyptian Symbols on a stone tablet

Überlegungen zu einigen Grundparametern von kultureller Entwicklung

Wahrnehmung als Basis für kognitive Prozesse

Vergleicht man die Konflikte von denen uns die Geschichte berichtet, mit den Konflikten, die wir heute haben, dann zeigt sich in erster Linie, dass individuelle Meinungen gegen individuelle Meinungen stehen. Dass sich aus diesen individuellen Meinungen dann – abhängig vom Ort und dem Umfeld der Meinungsäußerung – weitere Entwicklungen ergeben haben, die zum Beispiel auch dazu führten, dass sich tausende Krieger auf der einen Seite mit tausenden Kriegern auf der anderen Seite gegenseitig hingemetzelt haben.

Allgemein ist eventuell anzunehmen, dass es im Laufe der Menschheitsgeschichte bisher keinen Streitpunkt gegeben hat, der in einer Weise unlösbar genug gewesen wäre, um das gegenseitige Hinmetzeln von tausenden oder mehr Menschen in irgendeiner Weise zu rechtfertigen.

Es kann aber – von einem sehr gewagten Standpunkt aus – gleichzeitig angenommen werden, dass die Verantwortung für die bisherigen Konfliktlösungsmechanismen – inklusive Krieg – nicht Einzelnen schuldhaft zugesprochen werden kann. In einer Welt, in der nur ein bestimmter Umfang an Wissen zur Verfügung steht, können vielleicht und trotz aller Kreativität nur gewisse Handlungsmöglichkeiten aus dem jeweiligen Bestand von Wissen abgeleitet werden. Und selbst wenn die Möglichkeit zu anderen Handlungen besteht, bestimmt das reale soziale Umfeld zu einem wichtigen Teil, was passieren wird und was real möglich ist. – Vom aktuellen Jetzt auf das Gewesene logisch zu schließen ist nahezu unmöglich, weil ein wichtiger Teil der relevanten Parameter unbekannt ist.

Wenn wir heute vielleicht bald kriegerische Konflikte zu den Akten legen können, weil wir es vermögen, bessere, menschlich verträglichere Konfliktlösungen zu finden, heißt das nicht automatisch, dass diese Lösungsmöglichkeit vor 4 oder 8 Jahrhunderten auch schon in den Bereich der Relevanz hätte treten können.

Gehirne, Assoziationen und Präzision von Kommunikation

Wir wissen, dass menschliche Gehirne im Bereich der sozialen Interaktion zum Teil nahezu wie von allein handeln – zum Beispiel Sprache oder Emotionen hervorbringen oder Reaktionen auslösen. In einem Gespräch zwischen Menschen lassen sich beispielsweise gut sprachliche Reaktionen herausfiltern, die auf Assoziationen beruhen, die das Gehirn – anzunehmenderweise – selbst hergestellt hat. Nicht jeder sprachlichen Äußerung liegt also unbedingt ein bewusster Kognitionsprozess zu Grunde.

A Qwerty Keyboard with an intelligent Chinese overlay

Im alltäglichen Miteinander bilden assoziative bzw. spontane Äußerungen einen wesentlichen Teil der sprachlichen Äußerungen von Menschen ab. Das heißt, dass wir in vielerlei Kontexten Inhalte und Botschaften aufnehmen und prozessieren, die von unserem jeweiligen Gegenüber nicht bewusst hergestellt wurden – Inhalte, deren Sinn möglicherweise auf Basis von bisher gemachten Erfahrungen und früheren Kognitionsprozessen beruht.

Solche Inhalte bilden zwar einen wesentlichen Teil unserer Kommunikation, sie sind aber nicht notwendigerweise: präzise. Es handelt sich um Kommunikationsprodukte, die aus Situationen heraus entstehen, in denen wir uns befinden: Wir reagieren schnell und spontan, ohne darüber nachzudenken, was wir eigentlich gerade tun. Es liegt eine Dynamik zu Grunde, die Ergebnisse herstellt, die wir nicht geplant und nicht vorhergesehen haben – aus der Situation heraus entsteht eine Zukunft, von der wir bisher nichts gewusst haben.

Intelligente Algorithmen, predictions, Zukunft und Wissen

Diese Überlegungen lassen sich auch auf jene algorithmischen Nachbildungen von zwischenmenschlicher Kommunikation übertragen, die in Form von Ähnlichkeitsmustern oder in Form von predictions versuchen, eine umfassende Wirklichkeit auf Datenbasis verlässlich abzubilden. Sie sind ohne Zweifel populär, aber eben nicht notwendigerweise präzise – sie ermöglichen ein grundsätzliches Abbilden aber sie können grundsätzliche Zukunft ebensowenig vorhersehen, da sie das, was hier als Dynamik bezeichnet wurde, nicht mit berechnen können.

Update Mai 2014: Viel eher als die Zukunft zu berechnen, erschaffen Algorithmen Zukunft, da sie in vielen Fällen auf einer der gesellschaftlichen Relevanzebenen agieren, an denen wir (Gehirne, dateninterpretierende Algorithmen) uns orientieren. Wenn Gehirne Algorithmen planen oder wenn Algorithmen Algorithmen planen dann erschaffen sie Zukunft ebenso wie Menschen wenn sie Handlungen planen. Eventuell kann die Verdichtung auf Planungsebene auch erst zu bestimmten Handlungen führen, aber dies müsste man sich u.a. auf Basis eines mathematischen bzw. physikalisch-biologischen Modells genauer ansehen.

a map that illustrates weather prediction

Wenn beispielsweise zu einer Zeit, in der es noch keine Flugzeuge gibt, jemand ein Flugzeug benutzen möchte, dann ist dies mit großer Wahrscheinlichkeit aus heutiger Sicht bisher einfach nicht möglich: Das physisch präsente und funktionsfähige Flugzeug ist nicht vorhanden und selbst die bloße Idee davon fehlt. Es gibt zu diesem bestimmten Zeitpunkt einfach noch keine Flugzeuge, obwohl sie als zukünftige Möglichkeit eventuell schon vorhanden sind. Was aber ist die Möglichkeit von Vorhandensein? Was gerade der Fall ist wird bald nicht mehr der Fall sein, da alle Voraussetzungen für das, was jeweils der Fall ist, sich permanent ändern. Lassen sich aber vielleicht interrelatierte (in Verbindung stehende) Bezüge zwischen zeitlich zuerst einmal unabhängigen Möglichkeiten von Vorhandensein herstellen?

Relativität von Bezügen, dynamische Prozesse, komplexe Mechanismen

Wenn wir mit unseren heutigen Werten und Üblichkeiten nur allzuoft Vergangenes richten, vergessen wir dabei meist, dass das Vergangene nicht das Heute ist und dass die Art und Weise, wie geurteilt oder kommuniziert wurde, uns weitesgehend unbekannt ist. Wir vergessen, dass unser heutiges Wissen eben unser heutiges Wissen ist und nicht das Wissen von damals war. Dennoch hat das Wissen von damals zu einem großen Teil das Wissen von heute erzeugt. Das Wissen von heute wirkt jedoch nicht auf das Wissen von damals zurück. Es lässt sich vom Heute aus also nur sehr bedingt auf die sozialen Zusammenhänge des Gestern schließen.

Assoziationen, Erfahrungen und von unseren Gehirnen hervorgebrachte Reaktionen – oder von Gehirnen hervorgebrachte Algorithmen – bilden einen nicht zu unterschätzenden Teil von all dem was uns ausmacht, was wir tun, bauen, bevorzugen oder ablehnen etc. Wir können aufgrund von unendlich komplexen Funktionsmechnismen, die unsere Wahrnehmung und unsere Prozessierungsfähigkeit betreffen auch wahrscheinlich nur bedingt Aussagen über das Sein in unserer Zeit treffen. Aussagen sind mathematische (und textuell kodierte) Näherungswerte, die sich in komplexen, dynamischen Flächen und Räumen erkundend bewegen.

Dass wir dabei immer alles bewerten und richten müssen ist dabei vielleicht sogar eher ein Teil des Konflikts, als ein Teil einer Lösung – oder beides gleichzeitig, da das, was heute heute als Konflikt begriffen wird, sehr wohl Teil einer Lösung sein kann, wenn nämlich der Konflikt wieder bestimmte kognitive Prozesse in Gang setzt, die für eine zukünftige Generation wieder Teil einer Lösung sind.

Auch die Thesen und Überlegungen in diesem Artikel sind Produkt ihrer Zeit – Ergebnis von Erfahrungen und Assoziationen. Ein analytischer, sprachlicher Beitrag zu Sein und Existenz am Ende des von uns so bezeichneten Jahres 2012 bis (aktuell) zur Mitte des Jahres 2014 oder jetzt 2018.

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von Michael Garau / Mika Garau | intelligence at coggy.eu
29. Dezember 2012, 20. Mai 2014, 12. Juni 2015, Februar 2018