Kinder in einer Ahnung von Zukunft – Children with an idea of future

Das individuelle Sehen | Teil 1

Das individuelle Sehen bewertet die Welt um sich herum auf bestimmte Art und Weise. 7 Milliarden individuelle Sichtweisen bewerten das individuelle Sein um sich herum spezifisch.

Wir tun immer noch so, als ob die militärische – tötende – Sicht, die dominierende wäre. Dabei wissen wir doch, dass wir sogar und selbst in Kommunikation alle zur Verfügung stehenden Energien dafür aufwenden müssen, auch nur halbwegs die verschiedenen individuellen Kommunikationskonzepte verstehen, moderieren, kognitiv zu bewältigen oder annehmen zu können. Selbst die konkrete Kommunikation mit dem scheinbar ‘totalen’ Feind löst sich in zwischenmenschlichen Kontexten auf, wenn man sich denn einmal dafür entschieden hat, mit dem „Feind“ überhaupt zu sprechen, also bereit ist, das „Andere“ überhaupt zu erkunden.

Sich einzugestehen, dass im Gespräch und im Austausch nahezu immer klar wird, dass der tötende Konflikt zumeist ein idiotischer Konflikt ist, erfordert manchmal große Überwindung. Wenn sich aber zum Beispiel zwei unterschiedliche Religionen gegenüberstehen, die sich gegenseitig anfeinden, weil sie in fundamentalen Winzigkeiten nicht übereinstimmen, dann richtet sich die Frage nach der Zurechnungsfähigkeit auch an den menschlichen Intellekt, dessen grundsätzliche Klugheit dann mit allem Recht zu jeder Zeit und in nahezu jedem Raum angezweifelt werden kann.

Eine Schöpfung, die sich gegen sich selbst richtet, ist wenig plausibel. Es sei denn das schöpferische Individuum enthält in sich selbst alle möglichen Ausprägungen aller Möglichkeiten, in denen es selbst existent ist. Dann aber sind alle Bewegungen grundsätzlich möglich, auch die gewalttätigen. Und bisher haben sich solche Figurationen auch im relevanten Raum von Erkundung bewegt, weil die Ideologien, zu denen wir fähig waren, jenes möglicherweise abgefordert haben. Grundsätzlich jedoch ist davon auszugehen, dass die Idee von Sein und von Leben sich nicht grundsätzlich aufgeben möchte. Dass sie also – auch in vorübergehenden Zuständen wie wir es sind – fortbestehen will. Unsere Fähigkeit zu sehen und zu verstehen bezieht sich vielleicht auf die ursprüngliche Inspiration, die Leben ins Sein gebracht hat, weil das figurierende Prinzip uns in einem Teilmoment für eine interessante Variation hält. Was auch – wenn wir sehen was wir tun – die Entstehung von Moral und Empathie erklären könnte in diesem Zeitraum, der von uns durch Wahrnehmung erfasst werden kann.

Und wenn alle Bewegungen grundsätzlich möglich sind und wir aber von der Idee von Leben sehend und wahrnehmend inspiriert sind, dann bildet sich in uns auch die Selbstliebe ab, die vielleicht Basis von Existenz von Idee oder Leben ist. Deshalb übernehmen wir Verantwortung und deshalb wollen wir bestimmte Figurationen, die sich durch Gewalt auszeichnen, stoppen. Wir wollen uns nicht gegen uns selbst richten. Es macht keinen Sinn, dass jene Idee, die Weite zeichnet und Geschichte herstellt und sich selbst in Worten sucht, sich in sich selbst durch uns negativiert. Wenn zum Beispiel Religionen sich gegenseitig anfeinden, dann enthält jene Anfeindung auch immer eine Anfeindung gegenüber Gott. Gott stellt nichts her, das sich in mörderischen Kontexten gegen sich selbst richtet. Es sind wir Menschen – in Verantwortung gestellt, die destruktive Kontexte herstellen und es obliegt uns, diesbezüglich anders zu agieren.

Das angeblich fundamentale Christentum will die Nacktheit des Menschen verbieten, weil es sich selbst – entgegen der Moral der Genesis – als schuldig begreift und lieber der Schlange folgt und sich verhüllt, anstatt in der Konzeption Gottes zu sein. Dies ist der eine Teil. Der andere Teil ist der, dass nirgendwo davon die Rede ist, dass die Verantwortung gegenüber Welt in irgendeiner Weise von uns genommen wurde.

Im Islam wird von „Ungläubigen“ gesprochen. Und auch hier richtet sich scheinbar das Leben in Schriftform gegen sich selbst. Aber es ist nur unsere Vorstellung von Leben. Nicht das Leben selbst. Dieses beweist vielmehr über die Zeit einen ganz anderen Grundzusammenhang – als ob es einen Gott geben würde, der oder die nicht alle möglichen Wahrheiten und Ausprägungen von individuellem Sehen schon gewusst hätte. Eigentlich bewegt sich nahezu niemand überhaupt mehr in Glauben, wenn solchen überaus unklugen Konzepten und Interpretationen von Religion gefolgt wird, dass Leben gegen sich selbst richten könnte, anstatt die eigene Begrenzung und Unwissenheit als grundsätzliche Basis anzunehmen.

Gott hat bestimmt gewollt, dass wir mit Schwertern Millionen von individuellen Sichtweisen auslöschen. Oder dass wir Abermillionen von Identitäten via Massenmord hinrichten. In so vielen Kulturen. In so vielen Konzepten. In so vielen scheinbaren und temporären Wahrheiten.

Es ist ein Wunder, dass wir uns als Menschen mit kognitiven Fähigkeiten überhaupt noch in die Augen schauen können angesichts all jener Greueltaten, die wir uns über unsere Geschichte hinweg gegenseitig an uns selbst und gegenüber uns selbst angetan  haben.

Aber das ist auch vielleicht so etwas wie 2010 > 2180. Dass wir uns vorher eventuell nicht darüber bewusst waren, aber so langsam nun in solches Bewusstsein eintauchen. Und wer hat das bestimmt? Und weshalb figuriert sich Welt gerade aktuell so?

Es gibt mit großer Wahrscheinlichkeit niemanden, der darauf eine wirkliche Antwort geben kann. Wir haben all diese Geheimdienste und all jene Algorithmen und all solche Interpretationen. Letztlich aber gibt es wohl aktuell nur wenig Wissen, welches uns eine Einsicht in die Grundgesamtheit von Existenz ermöglicht:

Weshalb unsere Augen auch weiterhin sehen werden und weshalb unsere DNA sich auch weiterhin bewegen wird und weshalb unsere Versuche das Grundsätzliche zu sehen, sich auch weiterhin in Gegensätzlichkeit, und Versuchshaftigkeit und eher in Konzeptionen denn in individuellen Wahrheiten bewegen werden. Weshalb wir hier sind und liegen, sitzen oder stehen und nahezu ungläubig all jenes bestaunen, das sich hin und wieder zeigt. :-) : Das wissen wir nicht.